1998 – 2018: 20 Jahre ISRA… ein Anlass zum Feiern und Nachdenken über die Soziologie an der TU Wien

29./30.11.2018 in der Aula der alten WU, Augasse 2-6

Als das ISRA im Jahr 1998 seine Arbeit aufnahm, wurde in Politik, Planungspraxis und Wissenschaft intensiv über „nachhaltige“, „soziale“ und „partizipative “ Stadtentwicklung diskutiert, die EU und einige Mitgliedstaaten lancierten entsprechende Modellprojekte und in den Sozialwissenschaften zeichnete sich ein „spatial turn“ ab. Zwanzig Jahre später zeigt sich aktuell ein ambivalentes Bild: Während einige Forderungen der damaligen Zeit inzwischen zur selbstverständlichen Praxis geworden sind, konnten manche Vorhaben ihre Versprechen nicht einlösen oder wurden inzwischen gar eingestellt. Der soziale Zusammenhalt in den europäischen Städten scheint jedenfalls kaum zugenommen zu haben und neue Herausforderungen durch sozialen und technologischen Wandel zeichnen sich ab.

Den Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums des Fachbereichs Soziologie möchten wir nun nutzen, um einige der Konzepte, die seither die Stadtentwicklung prägen, im Spiegel aktueller sozialer, ökonomischer und politischer Entwicklungen kritisch zu beleuchten. In verschiedenen Formaten möchten wir auch diskutieren, wo heute soziologischer Klärungsbedarf besteht und wie dieser gestaltet werden kann. Drei Themencluster sollen das gemeinsame Nachdenken und Reflektieren strukturieren.

Partizipative Planung, Demokratie und Politik

Partizipation hat sich von einer zentralen Forderung der kritischen Stadtforschung inzwischen zu einem allgegenwärtigen Prinzip gewandelt, das sowohl die Steigerung von Effektivität raumbezogener Politik, als auch die Wiederbelebung lokaler Demokratie befördern soll. Allerdings mehren sich auch kritische Stimmen, die sich vor allem auf den oftmals exklusiven Charakter von Beteiligungsformaten und die Vereinnahmung durch neoliberale Strategien beziehen. Ausgehend von dieser Ambivalenz beschäftigt sich der erste Workshop unserer Veranstaltung mit der Frage, wie partizipative Planung ihren Ansprüchen an Effektivität und Demokratisierung weiterhin genügen kann und welche Methoden und Zugänge dafür zunehmend benötigt werden.

Armut, Prekarisierung und Diskriminierung in der Stadt

Das epische Theater Bertolt Brechts hatte die Auseinandersetzung mit den sozialen Verhältnissen zum Inhalt. Der Appell galt dabei nicht den Einzelschicksalen, sondern der Einbettung von Lebensstilen in Logiken der Prekarisierung. Frei nach Brecht bringt der Fachbereich für Soziologie gemeinsam mit Schauspieler*innen aktuelle Fragestellungen sozialer Ungleichheit und Stadtentwicklung auf die Bühne. Der Schauplatz des Stücks „Im Grätzel der Prekären“ ist Wien, das Textbuch ist der raumsoziologischen Forschungspraxis ihren Herausforderungen, Zugängen und Fallbeispielen entnommen. Ein Chor interdisziplinärer Expert*innen aus Theorie und Praxis kommentiert und diskutiert die Szenen in ihrer gesellschaftlichen Relevanz.

Technologie, Innovation und Gesellschaft

„Technik für Menschen“ ist das Mission Statement der TU Wien. Technik steht immer in starken Wechselbeziehungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Einerseits entstehen Innovationen selten zufällig, sondern zumeist im Zusammenhang mit ökonomischen, sozialen oder anderen strategischen Interessen, andererseits haben sie weitreichende Auswirkungen auf unseren Alltag. Die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung, ihrer Förderung und Steuerung belegen das eindrücklich. Das ISRA beschäftigt sich seit vielen Jahren mit sozialen Aspekten des technologischen Wandels und dem individuellen und kollektiven Umgang mit beispielsweise Mobilität und Energie. Ebenso werden politische, institutionelle und räumliche Kontexte von Innovationsprozessen thematisiert. Hier soll der Frage nachgegangen werden: Welche sozialwissenschaftliche Fundierung und Begleitung der Technikentwicklung ist für die Gestaltung einer sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Transformation notwendig – und was kann die Soziologie an der TU Wien dazu beitragen? Transdisziplinär wollen wir uns in diesem Workshop austauschen und vernetzen. Um in einen Austausch zu kommen, werden wir in diesem Workshop mit Fachleuten aus Stadtentwicklung (Smart City), Techonologie- und Innovationsförderung und Sozialunternehmertum über zukünftige „Potentials and Needs” diskutieren.