Mobilität

Der Fachbereich Soziologie (ISRA) ist auch in der inter- und transdisziplinären Forschung beteiligt, welche sich mit gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen der Mobilität im ruralen und urbanen Raum auseinandersetzt. Traditionelle Ursachenbündel für das Mobilitätsverhalten, wie regionale Ausstattung und soziale Lage (Einkommen/Alter usw.), werden am ISRA durch das Milieu-Konzept, sprich durch die Wertestruktur der TeilnehmerInnen im Verkehr, erweitert. Sozialwissenschaftliche Überlegungen zum Mobilitätsverhalten werden mit Themen wie Urbanisierung, Digitalisierung (Weiterentwicklung und Vernetzung von Technologie), Ökologisierung, MaaS (Mobility as a service) – Konzepte gekoppelt.

Typische Fragestellungen:

  • Wie lässt sich das Mobilitätsverhalten unterschiedlicher Gruppen in der Bevölkerung messen, erklären, zünftig gestalten?
  • Wie werden urban living labs entwickelt, in denen Mobilitätslösungen direkt mit NutzerInnen getestet und zielgruppenspezifische Effekte von Maßnahmen evaluiert werden?
  • Welche gesellschaftliche Chancen und Herausforderungen bergen neue Mobilitätstrends (z.B. Nutzen statt Besitzen (Sharing), Multimodalität, automatisiertes und autonomes Fahren) in sich?

Energie

Energie ist eine klimabeeinflussende materielle Ressource und ein wichtiges Element der Daseinsversorgung moderner Gesellschaften, dessen Bedeutung aufgrund zunehmender Technisierung und Beschleunigung alltäglicher Lebenswelten (Arbeit, Wohnen, Verkehr, Freizeit etc.) zunimmt. Die Herausforderungen von endlichen fossilen Energieressourcen und den energiekonsumbedingten Treibhausgasemissionen wurde bislang vor allem mit technischen Lösungen begegnet (Effizienz-Steigerung). Die fortscheitende Technisierung, aber auch nationale und internationale Klimaschutzziele machen jedoch auch umfassende Veränderungsprozesse notwendig, die alle Haushalte vor erhebliche Herausforderungen stellt (Verhaltensänderungen, Vermeidung von Rebound-Effekten). Zudem bergen zunehmende gesellschaftliche sozioökonomische Ausdifferenzierungen auch vermehrte Risiken der unzureichenden Versorgung mit notwendiger Energie (Energiearmut). Deshalb müssen technische Energielösungen immer auch in einem konkreten sozial differenzierten Kontext (soziale Ungleichheit) sowie darüber hinaus auch im räumlichen Zusammenhang (Siedlungsstruktur, Infrastruktur, Lage, Erreichbarkeit etc.) analysiert und umgesetzt werden.

Typische Fragestellungen:

  • Wie lässt sich unterschiedlicher Energieverbrauch sozial bzw. sozialräumlich differenziert erklären?
  • Welchen Einfluss hat der physische Raum auf das Energieverbrauchsverhalten?
  • Welche Annahmen lassen sich über sozial selektive Veränderungen der aktuellen Energieverbrauchsmuster treffen?
  • Wie kann eine größere Akzeptanz für Energieeffizienzmaßnahmen bei unterschiedlichen Zielgruppen erreicht werden?
  • Welche Argumente und Motivatoren fördern ein nachhaltiges Energiekonsumverhalten bei unterschiedlichen Zielgruppen?
  • Mit welchen Argumenten und Maßnahmen lassen sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen am besten zum Energiesparen motivieren?
  • Wie lassen sich Rebound-Effekte sozial bzw. sozialräumlich differenziert erklären?
  • Welche sozialen Auswirkungen hat Energie-Armut?

Smart City

Innerhalb der Stadtentwicklung zu einer Smart City steht digitale Technologie als Schlüssel für Zukunftsentwicklungen. Gerade weil die Smart City Rhetorik meist technologisch-dominierte Visionen gesellschaftlicher Entwicklungen in den Vordergrund stellt, besteht sozialwissenschaftlicher Forschungsbedarf darüber, welche vielfältigen Entwicklungspfade hinter technologischen Entwicklungen stehen und fundamental auf die Art und Weise des gesellschaftlichen Wandels einwirken.

Um das Soziale in den technologischen Innovationen zu verstehen, werden die (Aus)Wirkungen digitaler technischer Innovationen auf das Wohnverhalten, die Nachbarschaft und das soziale Leben und Verhalten untersucht. Ziel ist zu verstehen, wie die Wechselwirkungen zwischen sozialem Handeln und Verhalten, zwischen sozialer und gesellschaftlicher Struktur, zwischen Wohnformen und Nachbarschaften – also Gemeinschaft und Individuum – und einer neuen Technik (am Beispiel der Smart City Technologien) gestaltet werden.

Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen technologisch-gesellschaftliche Wechselwirkungen im urbanen Raum. Raum ist ein entscheidender Faktor zwischen der Bildung neuer gesellschaftlicher Zusammenschlüsse und Kooperationsformen sowie neuen exkludierten, abgegrenzten Gemeinschaften, der sich durch das Zusammenwirken neuer Technologien verstärkt. Die Folgen für veränderte Prozesse von Integration/Exklusion sowie neuer Formen von Vergesellschaftung und Gemeinschaftsbildung oder auch veränderten Mustern der Raumnutzung und des Raumverhaltens stehen im Vordergrund des Forschungsinteresses.

Typische Fragestellungen:

  • Wie verändern digitale Kulturtechniken urbane Mentalitäten, Identitäten und den Technikhabitus von Individuen und sozialen Milieus?
  • Welche sozial-räumlichen Auswirkungen haben die Implementierungen von Smart-City Technologien für Verhalten und Handeln?
  • Welche neuen Formen von sozialräumlichen Exklusions- und Inklusionsprozessen lassen sich durch Smart City Technologien für die Stadtgesellschaften erkennen?

 

IKT

Das theoretische Forschungsgerüst im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien geht von einer Wechselwirkung zwischen strukturellen Eigenschaften von Informations- und Kommunikationstechnologien und deren Anwendung (Tools, Applikationen, Netze, Materielles, Politik) sowie individuellen wie gruppenorientierten Handlungen aus (Biographie, Lebensstile, soziale Milieus). Es wird untersucht in welche Richtung diese Wechselwirkungen einen „Technologiehabitus“ im differenzierten öffentlichen und privaten Raum prägen und auf der einen Seite einen persuasiven Zugang zu Daten, Information und Kommunikation ermöglichen. Auf der anderen Seite stehen im Forschungsinteresse Individuen und soziale Gruppen mit einem selektiven Zugang zu IKT-Technologien.

Bei Raumaneignungsprozessen spielt die Zusammenwirkung mit IKT-Technologie bei der Bildung neuer Zusammenschlüsse und Kooperationsformen oder neuer abgrenzender Individualisierungen eine zentrale Rolle. Ziel ist es, den technologiegetriebenen Social Shift (in Bezug auf digitale Kommunikation) und dessen Risiken/Chancen in verschiedenen, die Gesellschaft strukturierenden Faktoren zu untersuchen wie z.B. Integration/Exklusion; Gemeinschaft/Gesellschaft oder Raumnutzung/Raumverhalten.

Durch die Bildung von subjektorientierten Bottom-up Kategorien (Perspektive der Biographieforschung) werden im Forschungsprozess der subjektiv individuelle Umgang mit den „neuen“ IKT-Techniken und Raum als Werthaltung und Verhaltensweise abgebildet. Diese subjektorientierten Lebensstilkategorien werden nach spezifischen milieuspezifischen Merkmalen wie Alter, Bildung, Wohn- und Arbeitsort analysiert und helfen dadurch die Transformationsprozesse zwischen Stadtraum, Verhaltens- und Handlungsraum und IKT-Technologie zu erfassen.

Typische Fragestellungen:

  • Inwiefern ändert das Bewusstsein permanenter digitaler Durchdringung durch IKT-Technologie sozialräumliche Verflechtungen und Verhaltensmuster?
  • Wie verändern Big Data und Datensensibilität den Umgang mit IKT-Technologien und Bewegungsmuster der Individuen/sozialen Gruppen im Stadtraum?
  • Ist das Smartphone ein messbarer Parameter für soziales Handeln und Verhalten von Individuen und sozialen Gruppen im urbanen Raum?

 

 

Gebaute Umwelt

Wissenschafts- und wissenssoziologisch orientierte Ansätze erweitern die Perspektiven der Stadt- und Regionalforschung. Mit dem Blick auf Formen und Konstellationen der Wissensgenerierung ergeben sich neue Übertragungsmöglichkeiten auf das Feld von Architektur und räumlicher (Umwelt-)Planung. Dabei geht es um ein besseres Verständnis von Entwicklungsdynamiken in den Bereichen von Wissenschaft und Technologie, um wissensökonomische Entscheidungsprozesse, um den veränderten Stellenwert von Wissen, um Erwartungen an Lernprozesse, um Routinen und kollektive Wissensordnungen, Konflikte und Blockaden für Veränderung. Die Erforschung von Wissenschaft und Technologieentwicklung reklamiert durch eine Mehrebenen-Reflexion Erklärungs- und Kritikansprüche an Wissen und Technologie, die auch den Kontext von gesellschaftlichem Alltag methodisch einbinden.